
Wo ist eigentlich die Vier-Tage-Woche geblieben?
Ist es nur mein subjektives Empfinden oder ist es rund um die Vier-Tage-Woche ziemlich ruhig geworden?
Vier Tage arbeiten, drei Tage frei. Mehr Produktivität, bessere Arbeitgebermarke, glücklichere Teams. Es klang nach der großen Antwort auf viele Probleme im Arbeitsmarkt.
Inzwischen habe ich den Eindruck, dass deutlich weniger darüber gesprochen wird.
Ich bin ehrlich, ich war nie der größte Freund davon.
Nicht, weil ich es grundsätzlich falsch finde. Wenn eine Kanzlei wirklich davon überzeugt ist, ihre Prozesse darauf ausrichtet und das Modell konsequent lebt, ist das völlig in Ordnung. Dann ist es eine unternehmerische Entscheidung. Ich hatte jedoch häufig das Gefühl, dass die Vier-Tage-Woche eher aus der Not heraus geboren und als letztes verzweifeltes Mittel in Sachen Mitarbeitergewinnung eingeführt wurde. Wenn das die Hauptbeweggründe waren, glaube ich, dass man sich als Kanzlei dabei eher ein Eigentor geschossen hat und das langfristig nicht funktionieren wird.
Persönlich bin ich einfach der Meinung, dass man in vier Tagen eben nicht das schafft, was in fünf Tagen möglich wäre. Natürlich kann man Prozesse verbessern, Meetings reduzieren und fokussierter arbeiten. Aber irgendwo gibt es eine Grenze.
Ein Lokführer fährt in fünf Tagen mehr Strecke als in vier. Ein Handwerker schafft in fünf Tagen mehr Baustelle als in vier. Und auch in einer Kanzlei erledigt sich Arbeit nicht automatisch, nur weil man sie auf weniger Tage verteilt.
Gerade in der Steuerberatung geht es nicht nur um „Output“, sondern auch um Fristen, Erreichbarkeit, Mandantenkommunikation, Abstimmungen, Rückfragen und Verantwortung.
Deshalb glaube ich, dass viele Kanzleien inzwischen wieder realistischer auf das Thema schauen und die Vier-Tage-Woche nur angehen, wenn sie auch im Kern davon überzeugt sind – und nicht, weil das der letzte Strohhalm in Sachen Recruiting ist.
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